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Sonderausgaben

Kirchensteuer: Höhe, Berechnung und Absetzbarkeit

Kirchensteuer beträgt 8 % in Bayern und Baden-Württemberg, sonst 9 % der Einkommensteuer. Absetzbar als Sonderausgabe. Mit Rechenbeispiel.

Geprüft am Lesezeit 6 Min. · 6 Quellen
Kirchturm einer Stadtkirche ragt zwischen Gebäuden in den Himmel

Was die Kirchensteuer ist

Die Kirchensteuer ist eine Abgabe der Kirchenmitglieder an ihre Religionsgemeinschaft. Sie ist keine Spende und kein freiwilliger Beitrag, sondern eine echte Steuer.

Erheben dürfen sie nur Religionsgemeinschaften, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind. Dieses Recht steht seit 1919 in der Verfassung und gilt über Art. 140 des Grundgesetzes bis heute.

Die staatlichen Finanzämter ziehen die Kirchensteuer ein und behalten dafür eine Aufwandsentschädigung ein. Die Bemessung regelt § 51a EStG.

Fachlich heißt sie Annexsteuer: Sie wird als prozentualer Zuschlag zur Einkommen- oder Lohnsteuer berechnet. Im Steuerbescheid steht sie als eigene Zeile.

Wer Kirchensteuer zahlt

Pflichtig sind Mitglieder einer steuerberechtigten Religionsgemeinschaft mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland. Dazu zählen die evangelischen Landeskirchen, die katholische Kirche, die alt-katholische Kirche und die jüdischen Kultusgemeinden.

Muslime und christlich-orthodoxe Christen zahlen in der Regel keine Kirchensteuer, weil ihre Gemeinschaften diesen Status meist nicht haben. Ob du Mitglied bist, entscheidet allein die Religionsgemeinschaft.

Die Pflicht beginnt mit dem ersten Tag des Monats, der auf Taufe, Eintritt oder Zuzug folgt. Sie endet mit Ablauf des Monats, in dem der Austritt wirksam wird, bei Tod mit Ablauf des Sterbemonats.

Nur wer Einkommen- oder Lohnsteuer zahlt, zahlt auch Kirchensteuer. Bleibt dein zu versteuerndes Einkommen unter dem Grundfreibetrag, fällt keine Einkommensteuer an – und damit auch keine Kirchensteuer. 2026 liegt der Grundfreibetrag bei 12.348 €, bei Zusammenveranlagung beim Doppelten.

Höhe: 8 oder 9 Prozent der Einkommensteuer

Bemessungsgrundlage ist die festgesetzte Einkommensteuer. Wer wenig Einkommensteuer zahlt, zahlt deshalb auch wenig Kirchensteuer.

Bei Arbeitnehmern behält der Arbeitgeber die Kirchenlohnsteuer monatlich ein. Selbstständige und Vermieter zahlen sie als Vorauszahlung und mit dem Bescheid.

Kinderfreibeträge senken die Bemessungsgrundlage. Lass sie in deiner Lohnsteuerkarte eintragen, dann sinkt schon der monatliche Abzug.

Bei Zusammenveranlagung wird die Kirchensteuer je nach Landeskirche aufgeteilt. Manche Kirchen rechnen den Anteil jedes Ehepartners getrennt aus, andere nehmen die gemeinsame Steuerschuld.

Kirchensteuersatz nach Bundesland
BundeslandSatz der Einkommensteuer
Baden-Württemberg, Bayern8 %
Berlin, NRW, Hessen und alle übrigen Länder9 %

Maßgeblich ist die festgesetzte Einkommensteuer, nicht das Bruttoeinkommen.

Beispielrechnung

Der Unterschied zwischen beiden Sätzen ist überschaubar. Bei einer festgesetzten Einkommensteuer von 6.000 € macht er 60 € im Jahr aus.

Entscheidend ist der Sonderausgabenabzug: Er senkt deine spätere Steuerlast und damit die tatsächliche Belastung.

BeispielFestgesetzte Einkommensteuer 6.000 €
Kirchensteuer 9 %540 €
Kirchensteuer 8 %480 €
Ersparnis im Folgejahr bei 30 % Grenzsteuersatzrund 162 €

Gezahlte Kirchensteuer wirkt im Folgejahr als Sonderausgabe. Wie viel du sparst, hängt von deinem persönlichen Steuersatz ab.

Kirchensteuer als Sonderausgabe absetzen

Gezahlte Kirchensteuer zählt im Jahr der Zahlung zu den Sonderausgaben. Sie ist der Höhe nach unbegrenzt abziehbar.

Angegeben wird sie in der Anlage Sonderausgaben. Bei Arbeitnehmern steht der Betrag oft schon im Belegabruf bereit.

Der Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 € ist schnell überschritten. Eine genaue Angabe lohnt sich deshalb fast immer.

Anders sieht es bei Kapitalerträgen aus: Behält die Bank die Kirchensteuer direkt ein, ist ein Sonderausgabenabzug in der Regel nicht möglich.

Kirchenaustritt: So endet die Steuerpflicht

Den Austritt erklärst du beim Standesamt oder Amtsgericht deiner Wohnsitzgemeinde. In Berlin kostet er 30 €.

Die Steuerpflicht endet mit Ablauf des Kalendermonats, in dem der Austritt wirksam wird. Für die Monate davor bleibt die Kirchensteuer fällig.

Die Behörde meldet den Austritt an die Meldebehörde. Von dort läuft er in die ELStAM-Daten, die dein Arbeitgeber nutzt. Das dauert mitunter mehrere Wochen.

Prüfe deine Abrechnungen danach genau. Wurde die Kirchensteuer zu Unrecht einbehalten, klärst du das mit der Kirchensteuerstelle deines Finanzamts.

Kirchgeld, Sachzuwendungen und Rente

Das Kirchgeld ist eine besondere Form und fließt direkt an die Kirchengemeinde. Das allgemeine Kirchgeld beträgt je nach Gemeinde 5 bis 120 € im Jahr und trifft Mitglieder mit geringem Einkommen.

In glaubensverschiedener Ehe konnte früher ein besonderes Kirchgeld anfallen. Bayern hat es zum 1. Januar 2018 abgeschafft.

Auf pauschal versteuerte Sachzuwendungen fällt ein niedrigerer Kirchensteuersatz an. Wer keiner Kirche angehört, sollte den Arbeitgeber auf einen Widerspruch hinweisen.

Rentner zahlen nur dann Kirchensteuer, wenn sie Einkommensteuer zahlen – etwa wegen Vermietung oder Kapitalerträgen. Ohne steuerpflichtige Einkünfte fällt nichts an.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Kirchensteuer?

Sie beträgt 8 % der Einkommensteuer in Bayern und Baden-Württemberg und 9 % in den übrigen Bundesländern. Berechnet wird sie nicht vom Bruttoeinkommen, sondern von der festgesetzten Einkommen- oder Lohnsteuer.

Wie hoch ist die Kirchensteuer bei 3.000 € brutto?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Entscheidend ist die Lohnsteuer, die von Steuerklasse, Freibeträgen und Kinderfreibeträgen abhängt. Von dieser Lohnsteuer macht die Kirchensteuer 8 oder 9 % aus.

Habe ich mehr Netto, wenn ich aus der Kirche austrete?

Kurzfristig steigt dein Netto um die einbehaltene Kirchensteuer. Der Unterschied ist aber kleiner als die Abgabe selbst, weil du die gezahlte Kirchensteuer bisher als Sonderausgabe absetzen konntest. Nach dem Austritt entfällt dieser Abzug.

Warum zahle ich Kirchensteuer, obwohl ich nicht in der Kirche bin?

Meist stimmt die Religionsangabe in den Meldedaten nicht. Bei pauschal versteuerter Lohnsteuer führt der Arbeitgeber außerdem je zur Hälfte Kirchensteuer für beide großen Kirchen ab, solange er nicht widerspricht. Kläre den Fall mit der Kirchensteuerstelle deines Finanzamts und lass die ELStAM-Daten berichtigen.

Wie melde ich mich von der Kirchensteuer ab?

Dafür musst du aus der Kirche austreten. Die Erklärung gibst du beim Standesamt oder Amtsgericht ab. Die Steuerpflicht endet mit Ablauf des Austrittsmonats, die Änderung läuft automatisch in die ELStAM-Daten.

Zahlen Rentner Kirchensteuer?

Nur wenn sie Einkommensteuer zahlen. Bei einer Rente allein bleibt die Steuer oft bei null, dann fällt auch keine Kirchensteuer an. Anders ist es bei Mieteinnahmen, Kapitalerträgen oder weiteren Einkünften.

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Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. § 51a EStG – Bemessungsgrundlage der Kirchensteuer
  2. § 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG – Sonderausgaben
  3. Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 WRV – Kirchensteuerrecht
  4. § 37b EStG – Pauschalierung der Einkommensteuer bei Sachzuwendungen
  5. § 40a EStG – Pauschalierung der Lohnsteuer bei geringfügiger Beschäftigung
  6. BFH, Urteil vom 30.11.1989, Az. I R 14/87 (Kirchensteuer bei pauschaler Lohnsteuer)

Gesetzestexte verlinken auf gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz). BMF-Schreiben mit Datum und Fundstelle ergänzen.

Änderungshistorie

  • Überarbeitet, Werte und Fristen für 2025 und 2026 aktualisiert

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