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Werbungskosten

Fortbildungskosten absetzen: Kurse, Fahrten, Lernmaterial

Berufliche Weiterbildung als Werbungskosten: Welche Fortbildungskosten du absetzt, wo du sie einträgst und wie Zuschüsse den Abzug mindern.

Geprüft am Lesezeit 5 Min. · 4 Quellen
Notizblock und Laptop auf einem Tisch in einem hellen Seminarraum während einer Fortbildung

Was zählt zu den Fortbildungskosten?

Fortbildungskosten sind alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit einer beruflich veranlassten Weiterbildung stehen. Entscheidend ist der Bezug zu deinem aktuellen oder angestrebten Beruf. Ist er klar erkennbar, zählt das Finanzamt die Kosten als Werbungskosten.

Eine feste Pauschale für Fortbildungskosten gibt es nicht. Du setzt nur die Beträge an, die du tatsächlich selbst gezahlt hast. Belege musst du aufbewahren, aber nicht mit der Erklärung einreichen.

Bei auswärtigen Kursen kommt der Verpflegungsmehraufwand hinzu: 14 € ab mehr als 8 Stunden Abwesenheit und 28 € je vollem Kalendertag. Für gestellte Mahlzeiten kürzt du den Betrag, beim Frühstück um 20 %, bei Mittag- oder Abendessen um je 40 % von 28 €.

  • Teilnahmegebühren für Kurse, Seminare, Lehrgänge und Webinare
  • Zulassungs- und Prüfungsgebühren, etwa für Meister- oder Fachwirtprüfungen
  • Fachliteratur, Lernsoftware, Schreibmaterial und Arbeitsmittel wie Laptop oder Tablet
  • Fahrten zum Kursort, mit dem Auto 0,38 € je gefahrenem Kilometer ab 2026
  • Übernachtung und Verpflegungspauschalen bei auswärtigen Kursen
  • Zinsen für einen Fortbildungskredit, aber nicht die Tilgung
Absetzbare Posten im Überblick
KostenAnsatz
Kurs-, Seminar- und Prüfungsgebührenvolle Höhe
Fahrten zum Kursort0,38 € je km ab 2026, sonst die Ticketkosten
Übernachtungtatsächliche Kosten mit Beleg
Verpflegung14 € ab mehr als 8 Stunden, 28 € je vollem Kalendertag
Fachliteratur und Lernmaterialvolle Höhe bei beruflicher Nutzung

Steuerfreie Zuschüsse, etwa vom Arbeitgeber, ziehst du von der Summe ab.

Beruflich oder privat?

Nicht jede Weiterbildung ist absetzbar. Es muss ein Zusammenhang mit deiner beruflichen Tätigkeit oder mit einem angestrebten Beruf bestehen. Ein Kochkurs für zu Hause oder ein Sprachkurs für den nächsten Urlaub zählt nicht.

Bei Sprachkursen kommt es auf den Zuschnitt an. Berufsspezifisches Vokabular und Fachsprache sprechen für einen beruflichen Nutzen. Ein Grundkurs zählt nur, wenn du die Sprache im Beruf brauchst.

Bei gemischt veranlassten Maßnahmen teilt das Finanzamt die Kosten auf. Das passiert zum Beispiel bei einem Sprachkurs im Ausland mit viel freier Zeit. Notiere den Tagesablauf, damit der berufliche Anteil nachvollziehbar bleibt.

Auch bei Fachtagungen und Kongressen prüft das Finanzamt den Charakter der Reise. Ein straffes Fachprogramm und eine Teilnahmebestätigung helfen bei der Anerkennung.

Erstausbildung oder Fortbildung?

Eine Fortbildung ist jede beruflich veranlasste Bildungsmaßnahme nach der ersten Ausbildung oder dem Erststudium. Dazu gehören Umschulungen, ein Zweitstudium und innerbetriebliche Lehrgänge.

Kosten für die erstmalige Ausbildung oder das Erststudium außerhalb eines Ausbildungsverhältnisses sind keine Werbungskosten. Du kannst sie nur als Sonderausgaben absetzen, bis zu 6.000 € im Jahr.

Ein Master nach dem Bachelor gilt als Aufbaustudium und damit als Fortbildung. Auch eine Ausbildung im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses, etwa ein duales Studium, zählt zur Fortbildung.

Bist du arbeitslos oder von Kündigung bedroht, bleibt der Abzug möglich, wenn die Maßnahme auf eine künftige Berufstätigkeit zielt.

Beispiel: Abendkurs Projektmanagement

Das Beispiel zeigt, wie aus wenigen Belegen ein absetzbarer Betrag wird. Über dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 € wirken sich die Kosten steuerlich aus.

Liegen deine Werbungskosten insgesamt darunter, ändert sich durch einzelne Posten meist nichts. Prüfe deshalb die Summe aller Ausgaben im Jahr.

BeispielAbendkurs Projektmanagement
Kursgebühr1.450 €
Prüfungsgebühr240 €
Fahrten 40 × 12 km × 0,38 €182,40 €
Fachbücher85 €
Werbungskosten1.957,40 €

Ein steuerfreier Arbeitgeberzuschuss von 500 € wäre abzuziehen.

Wo eintragen und Belege

Als Arbeitnehmer trägst du die Summe in der Anlage N im Abschnitt Werbungskosten ein. Dort gibt es ein eigenes Feld für Fortbildungskosten. Wie du das Formular ausfüllst, zeigt die Anleitung zur Anlage N.

Selbstständige erfassen die Ausgaben als Betriebsausgaben. Bei einer Einnahmenüberschussrechnung gehören sie in die Anlage EÜR.

Belege schickst du nicht mit der Erklärung mit. Das Finanzamt fordert sie bei Bedarf an. Bewahre Rechnungen, Verträge, Teilnahmebestätigungen und Zahlungsnachweise deshalb geordnet auf.

Zuschüsse mindern den Abzug

Steuerfreie Zuschüsse mindern deine absetzbaren Kosten. Das gilt für übernommene Gebühren durch den Arbeitgeber, für einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit und für Zuschüsse nach dem Aufstiegs-BAföG.

Nur den Teil, den du selbst getragen hast, trägst du in die Steuererklärung ein. Erstattet der Arbeitgeber alles, bleibt kein absetzbarer Betrag übrig.

Beim Aufstiegs-BAföG mindert der Zuschussanteil den Abzug. Den Darlehensanteil kannst du ansetzen, weil du ihn zurückzahlst.

Zahlt dein Arbeitgeber den Kurs und stellt dir die Bildungseinrichtung eine Rechnung, lass dir die Aufteilung schriftlich geben.

Häufige Fragen

Wann sind Fortbildungskosten Werbungskosten und wann Sonderausgaben?

Werbungskosten sind sie, wenn die Maßnahme beruflich veranlasst ist und nach der ersten Ausbildung oder dem Erststudium stattfindet. Kosten der erstmaligen Ausbildung außerhalb eines Ausbildungsverhältnisses zählen nur als Sonderausgaben, bis zu 6.000 € im Jahr.

Was kann man zu 100 Prozent absetzen?

Kurs-, Seminar- und Prüfungsgebühren setzt du in voller Höhe an. Das gilt auch für Fachliteratur und Lernmaterial bei rein beruflicher Nutzung. Auch Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten sind in tatsächlicher Höhe absetzbar, eine Obergrenze gibt es nicht.

Kann ich Fortbildungskosten ohne Nachweis von der Steuer absetzen?

Du reichst keine Belege mit der Steuererklärung ein, die Angaben stehen nur in der Anlage N. Das Finanzamt kann die Nachweise aber später anfordern. Bewahre Rechnungen, Teilnahmebestätigungen und Zahlungsbelege deshalb sicher auf.

Was zählt alles zu den Fortbildungskosten?

Dazu gehören Teilnahmegebühren, Prüfungsgebühren, Fachliteratur und Arbeitsmittel. Hinzu kommen Fahrt- und Reisekosten, Übernachtungen und Verpflegungspauschalen. Auch Zinsen für einen Fortbildungskredit zählen dazu.

Wo trage ich Fortbildungskosten in der Steuererklärung ein?

Arbeitnehmer tragen sie in der Anlage N im Abschnitt Werbungskosten ein. Selbstständige erfassen sie als Betriebsausgaben, meist über die Einnahmenüberschussrechnung. Zuschüsse ziehst du vorher von der Summe ab.

Zählt ein Studium neben dem Job als Fortbildung?

Ein berufsbegleitendes Zweitstudium oder ein Master nach dem Bachelor gilt als Fortbildung. Die Kosten sind dann voll als Werbungskosten absetzbar. Ein Erststudium in Vollzeit zählt dagegen zur Erstausbildung.

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Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. § 9 EStG – Werbungskosten
  2. § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG – Berufsausbildung als Sonderausgaben
  3. § 4 Abs. 5 EStG – Betriebsausgaben und Verpflegungspauschalen
  4. § 1 BBiG – Berufsbildung

Gesetzestexte verlinken auf gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz). BMF-Schreiben mit Datum und Fundstelle ergänzen.

Änderungshistorie

  • Überarbeitet, Werte und Fristen für 2025 und 2026 aktualisiert

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